DreamVision DL500
Die erste echte Konkurrenz zur Röhre?

Noch vor wenigen Monaten ließ Manfred Zoller vom deutschen Vertrieb Metropolis kaum ein gutes Haar an LCD- oder DLP Projektoren. Tiefes Schwarz und natürliche Farben kann schließlich, so die bisherige Sprachregelung, nur ein CRT-Projektor überzeugend auf die Leinwand bannen. Der Grund für den Sinneswandel ist der neue DLP-Projektor Dream Vision DL 500

Insider werden natürlich gleich bemerkt haben, dass der DreamVision DL 500 vom norwegischen Spezialisten Davis stammt. Das Gerät scheint mit dem in Sinsheim erstmals gezeigten Davis Cinema One weitgehend baugleich zu sein, welcher allerdings nicht rechtzeitig zu einem Test bei uns eintraf. DreamVision in Frankreich modifiziert und vertreibt schon seit einigen Jahren Projektoren, beispielsweise von Elektrohome oder Seleco, sofern sie sich vorrangig für das Heimkino eignen. Seit dem Einsatz der neuesten Digital-Micromirror-Device-Generation von Texas Instruments zählt nun auch dieser DLP-Projektor dazu.

Voraussetzung für eine erstmals mit CRT-Beamern vergleichbare Qualität ist einerseits die fundamentale Steigerung des Schwarzkontrastes des DL 500 und andererseits der Einsatz eines PC-DVD-Players. Wegen der immer noch vorhandenen Beschränkungen im Bereich der Videosignalverarbeitung bietet Metropolis das Gerät nämlich nicht ohne Grund am liebsten im Set mit dem 2000 Mark teuren Media 1 an. Diesen komplett konfigurierten PC-DVDPlayer haben wir bereits in der Ausgabe Image Home Entertainment 6/1998 vorgestellt.

Wir wollen Sie erst gar nicht weiter auf die Folter spannen: Der Dream Vision DL 500 verkörpert tatsächlich einen Durchbruch. Um bei Testbildern das Ende der rabenschwarz hinabtauchenden Kontrasttreppe sehen zu können, müssen wir den Vorführraum vollständig abdunkeln. Es macht sogar Sinn, auch seitlich vom Raum auf die Leinwand zurückfallendes Licht sorgfältig mit schwarzem Tuch zu bekämpfen. Dieser Aufwand lohnt normaler Weise nur, wenn teure Röhrengeräte beurteilt werden sollen. Bei fast allen LCD- und den allermeisten DLP-Geräten ist im Gegenteil eine Restbeleuchtung des Raums empfehlenswert, um das Auge über das verbleibende Restlicht des Projektors hinweg zu täuschen.

Besagtes"Room-Tuning" führt im Falle des Dream Vision DL 500 dagegen zu prachtvoll herausplatzenden Bildkontrasten, die wir in dieser Plakativität noch nie von einem Display Projektor zu sehen bekommen haben. So ein Schwarz liefert nicht einmal jeder Einsteiger Röhrenbeamer. Klar, ein Seleco SVT 800 HD definiert Schwarz im Sinne des amerikanischen Heimkino-Papstes Joe Kane (Mitglied der Imaging Sience Foundation ISF und Herausgeber der Test-DVD Video-Essentials) noch radikaler als "the absence of light". Diesen Anspruch verfehlt der DreamVision aber nur denkbar knapp. Dafür bewahrt er auch bei Sequenzen mit dominanten hellen Bildanteilen einen famosen Szenenkontrast und erzielt letztlich eine höhere Helligkeit. Bilder mit viel Licht und wenig Schatten erzeugen bei CRT-Geräten nämlich ein Streulicht auf der Phosphorschicht, weshalb Röhrenbeamer bei solchen Bildern nicht den famosen Schwarzwert aus absolut dunklen Szenen aufrecht erhalten können. Keine Frage - erstmals steht die handliche DLP-Technik kurz davor, eine bisherige Dornäne der Röhrenprojektion in Frage zu stellen.

Das gnadenlos dunkle Schwarz des DreamVision lässt natürlich auch Farben intensiver, reiner und leuchtender erscheinen. Dazu gelingt es dem DL 500 vorbildlich, recht natürliche Farbtöne zu mischen - nicht ganz vergleichbar mit besten CRT-Beamern, aber deutlich feiner differenziert als bei vielen LCD-Projektoren. Auch der ordentlich ausbalancierte Gamma-Verlauf zeugt davon, dass dieses Gerät nicht auf stupende Helligkeit getrimmt ist. Selbst düstere Kinofilme, die wie Bram Strokers Dracula kaum über fahle Mondscheineinstellungen hinausgehen, erscheinen knackig ausdifferenziert auf der Leinwand.
Die Video-Eingänge des DL 500 sollte man allerdings für TV-Programme oder andere Interlaced-Bilder nutzen und nicht unbedingt für Kinobilder von der DVD. Der DL 500 bemüht sich zwar mit seiner internen 16:9-Umschaltung, ein schärferes Bild als der DVD-Player in Letterbox-Konfiguration auszugeben. Anamorphe Filme zeigen aber immer noch deutlich sichtbaren Treppungen und in der Bewegung flirrende waagerechte Kanten. Die Resize-Funktion eines Sony VPL-CS 1 oder eines Toshiba TLP-MT1 funktioniert da um ein bis zwei Klassen besser, und auch die Vertikalauflösung des DL 500 ist insbesondere bei NTSC-Material nicht ganz konkurrenzfähig. Im Gegensatz zu Sony und Toshiba, die ihr Potential auch mit handelsüblichen DVD-Playern weitgehend ausschöpfen, ist das Resultat des DL 500 über den S-Video und den noch schwächeren FBAS-Eingang nicht ganz überzeugend.
Um das vorhandene Potential des Dream Vision nutzen zu können, muss man also tiefer in die Heimkinomaterie eintauchen. Es macht nämlich wirklich Sinn, die 16:9-Umschaltung und generell die Wiedergabe von Kinofilmen dem Media 1 zu überlassen. Die ersten Versuche mit 72 Hertz Bildwechselfrequenz gingen allerdings ordentlich in die Hose. Deutlich sichtbares Rauschen und ein feines Moiree-Muster verunstalteten die PC-Bilder zunächst inakzeptabel. Offensichtlich war das Set inklusive dem mitgelieferten PCAdapterkabel nicht für diese hohen Zeilenfrequenzen ausgelegt. Mit der Standardfrequenz 60 Hertz war dieser Spuck zum Glück wie weggeblasen. Immer noch saubere Bewegungsabläufe, ausgezeichnete Rauschabstände, saum- und flimmerfreie Progressive-Scan-Bilder und eine knackige Darstellung scharfer Details sind der Lohn für den Einsatz des Media-I-PCDVDPlayers. Der wegen des Nadelöhrs seiner internen Videosignalumsetzung eben noch gescholtene DL 500 schwingt sich nun zu einer Performance auf, die den Quantensprung progressiver VGA-DVDBilder im Vergleich zu konventionellen TV-Signalen überdeutlich macht. Die superschmal eingefassten Microspiegel lassen beinah strukturlos feine Bilder in überwältigendem Kontrast und Farbkraft von der Leinwand strahlen. Und da der Lüfter des DL 500 einigermaßen leise arbeitet, könnte sich der unauffällige Dream Vision in die Wohnzimmer zahlreicher Kinofreaks einnisten, die bisher vergeblich einen Kompaktprojektor mit einem zu Röhrenbeamern vergleichbaren Bild gesucht haben.


Die Videoeingänge sind nicht ganz perfekt, 
besonders bei 16:9 Bildern.
Der Schwarzkontrast des DL 500 ist jedoch sagenhaft



 
der 2000 Mark teure, komplett konfigurierte Media1 DVD-PC liefert pickelscharfe VGA-Bilder mit 60 Hertz

Fazit:
DLP-Projektoren vom Schlage eines Dream Vision DL 500 sind in optimierter Peripherie, sprich in Kombination mit PC-DVD-Playern, erstmals eine echte Alternative zu großen und komplexen Röhrenprojektoren. Leider lässt sich das fantastische Potential des Dream Vision DL 500 nur mit Einschränkungen an handelsüblichen TV-Quellen genießen. Der wahre Kinofreak wird sich dadurch aber nicht abhalten lassen - und mit sagenhaft kontraststarken Bildern der neuesten DLP-Generation belohnt.
Udo Ratei

Plus-Minus

+ überwältigender Kontrast, grandioses Schwarz
+ fein differenzierte und intensive Farben

- in Kombination mit PC-DVD knackig scharf
- Video-Eingänge und 16:9-Umschaltung nicht perfekt
- PC-Setup gehört eher in die Hände von Fachleuten

Preis-Leistung:

sehr gut

 

Daten und Fakten DreamVision DL 500

Prinzip: 1-Chip-DLP für Boden/Decke, Rück-/Front-Projektion

Projektionslampe: 150 Watt, 2000 Stunden; 700 ANSI-Lumen

Objektiv: manuelles Zoomobjektiv 1:1,5

Bilddiagonale (min/max): 1,5 m / 7,5 m in 1,1 bis 12 m Abstand

Videosysteme: PAL (50 Hz), NTSC (3,58/4,43), SECAM, VGA, SVGA; XGA komprimiert

Eingänge: PC (Adapterkabel), Video(Cinch), S-Video (Hosiden), 1 x Audio (Cinch)

Ausgänge: 1 x Audio (Cinch)

Abtastfrequenz horizontal: 15 - 60 kHz .

Abtastfrequenz vertikal: 48 - 100 Hz

Sonstiges: 16:9-Umschaltung, integrierter Lautsprecher, Fernbedienung, Transporttasche mit AV- und PC/Mac-Kabel

Zubehör: Austauschlampe (ca. 800 Mark), PC-DVD Media 1 (2000 Mark)

Preis: 12000 Mark unv.VP (ca. 5920€)

Maße (B/H/T): 24/14/35 cm

Gewicht: 4,5 kg

Garantie: 12 Monate

Vertrieb: Metropolis, Telefon: 06221/21009 fax 21036

links:

Heimkino Seiten: http://www.home-cinema.de

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